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Thermo-Unterwäsche statt T-Shirt PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Kurt Henschel   
Montag, den 11. Dezember 2017 um 18:07 Uhr

November und Dezember kannst du knicken“ - das meinen nicht nur Menschen, die psychisch labil sind. Nein, das sagen insbesondere in diesem Jahr die Staffelleiter im Bereich des Amateurfußballs: Hunderte von Spielen sind nach Ende Oktober ausgefallen, weil die Rasenplätze wegen ständigen Regens die Folter der Kicker nicht ausgehalten hätten. Folge: Keine Begegnungen im November und Dezember, keine Einnahmen der Gastgeber-Vereine, mega-schiefe Tabellen, weil die Vereine, die über einen Kunstrasenplatz verfügen, klar im Vorteil sind und ihre Partien absolvieren können. Und nun wollen beziehungsweise müssen die jeweiligen Staffelleiter alle ausgefallenen Begegnungen noch einpressen in den Topf mit dem ohnehin noch geplanten Programm. Und das alles bis zur Weltmeisterschaft in Russland. Warum eigentlich? Warum soll es bereits Mitte Februar weitergehen mit Fußball? Erstens klappt das höchstwahrscheinlich nicht, weil eine Vorbereitung den vom Winter geschundenen Plätzen erneut schadet, und zweitens: Was stört eine Fußball-WM die Amateurkicker? Nichts! Spieler und auch Fans verstehen immer seltener, warum sie die Spiele ihrer Teams in Thermo-Unterwäsche statt im T-Shirt schauen sollen – besser: müssen! Festzustellen ist, dass es Fußball bei schönem Wetter kaum mehr gibt. Das ist schade, aber das hat Gründe: Saison für Saison zaubern die Fußball-Verantwortlichen die zum Vorjahr identischen Rahmen-Spielpläne aus der Schublade, es gibt keine Veränderungen. Ob die neuerdings schlechteren Wetter-Bedingungen etwas mit dem Klimawandel zu tun haben, sei dahingestellt. Ein Blick auf den Kalender 2018 offenbart, dass die Sommerferien in Niedersachsen Anfang August beendet sind. Ab dem 12. August könnte es also losgehen mit der neuen Saison. Etwa zwei Spieltage später wären zwei „Englische Wochen“ einzustreuen und es gäbe einen gewissen Vorsprung vor der unberechenbaren November- und Dezember-Zeit. Dann kämen die Zuschauer viel wahrscheinlicher im T-Shirt und hätten nach den Partien auch noch Lust, etwas länger im Kreis der Spieler auf dem Sportgelände zu bleiben, oder? Nun kommt das Argument Urlaub in die Überlegungen – in die ziemlich unnötigen Überlegungen. Denn: Welcher junge Kicker ist bereits verheiratet und auch schon Vater? Kaum einer. Also bekommt er während der Sommerferien auch seltenst Urlaub, weil Kollegen mit Familie Vorrang haben. Deshalb treten die Amateur-Kicker immer häufiger ihren Urlaub während der Saison an – ärgerlich für die Teams und viele Fans, aber im höchsten Maße „normal“ und auch verständlich. Und „Englische Wochen“? Fußballer absolvieren lieber Partien um Punkte statt sich zum Training zu begeben. Kicker, die Schichtdienst haben, könnten tauschen oder fehlen eben. Irgendwer fehlt nämlich immer im Kader. Und Studenten? Auch dafür könnten Vereine eine Regelungen finden, wenn sie denn rechtzeitig sicher sein könnten, dass das jeweilige (Sommer-)Spiel nicht gefährdet ist. Es ist höchste Zeit, dass sich die Fußball-Verantwortlichen von ihren alten Socken trennen und zumindest einmal über Änderungen nachdenken. So wie in dieser Saison, wo sich zuletzt Woche für Woche die Frage stellte, ob denn nun das geplante Spiel über den Rasen gehen könne, macht Amateurfußball wohl allen Beteiligten keine Freude mehr.